Überwinde dich! Freies Theater zwischen Ermächtigung und Selbstoptimierung

Akademie-Workshops am 20., 22. & 23. Juni

Workshop 1:
DAS SELBST. Ein Toolkit post-patriarchaler Selbstoptimierung

Leitung: Magdalena Emmerig / Rahel Gloria Spöhrer (THE AGENCY) und ein Personal-Trainer
Sprache: Deutsch

Wie muss mein Selbst gestaltet sein, damit ich in der Welt des Freien Theaters bestehen kann? Brauche ich „männlich“ konnotierte Qualitäten, um anerkannt zu werden und erfolgreich zu sein – und möchte ich sie überhaupt verkörpern? Welche alternativen Qualitäten und Selbst-Erzählungen lassen sich finden? Gemeinsam mit dem Künstlerinnenkollektiv THE AGENCY und einem Personal-Trainer entwickeln die Teilnehmer*innen ein Counter-Toolkit, das der radikalen Selbst-Analyse der von uns verkörperten patriarchalen und neoliberalen Strategien dient und Werkzeuge beinhaltet, die uns helfen, auf eine antipatriarchale Weise zu agieren und die oftmals gegenderten Logiken von Normierung, Effizienz, Power und Ausschluss zu unterwandern. In readings, Gesprächen, Selbst- und Systemanalysen, physical exercises, digitaler Recherche und der Beschäftigung mit künstlerischen Praktiken und Arbeiten werden Tools für die Imagination eines post-patriarchalen Selbst entwickelt.

Workshop 2:
DIE ARBEIT. Feedback zwischen kollektivem Eigensinn und Marktkonformität

Manolis Tsipos / Billy Mullaney (Alumni DAS Theatre Amsterdam) und Cecilie Ullerup Schmidt (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft, Universität Kopenhagen)
Sprache: Englisch

Welche Art von Theater entsteht, wenn Arbeitsstände in Feedbackformaten fortlaufend zur Disposition gestellt werden? Verändert das kollektive Nach- und Weiterdenken die Handschrift der Künstler*innen? Entstehen daraus wachere und weniger selbstbezogene künstlerische Positionen – oder vielmehr glatte Produkte, die auf dem Kunstmarkt optimal funktionieren? Gemeinsam mit den Künstlern Billy Mullaney und Manolis Tsipos (Alumni DAS Theatre Amsterdam) und der Kulturwissenschaftlerin Cecilie Ullerup Schmidt (Promovendin an der Universität Kopenhagen) diskutieren die Teilnehmenden diese Fragen und erproben anhand eigener Arbeitsbeispiele verschiedene Kritikformate.

Workshop 3:
DIE ORGANISATION. Kämpfe für Solidarität und Teilhabe in den Strukturen des Freien Theaters

Melmun Bajarchuu / Adele Dittrich Frydetzki (Initiative für Solidarität am Theater) und Marta Keil (Performing Arts Institute Warschau)
Sprache: Englisch

Welcher Praktiken bedarf es, um im Theater solidarischere Organisationsformen, die Öffnung von Entscheidungsprozessen und gerechtere Zugangsmöglichkeiten durchzusetzen? Und wie verändert sich Theaterarbeit, wenn sich die Beteiligten an einem Haus oder in einer Produktion als Kompliz*innen begreifen, die ihre eigene Position und ihre Privilegien ständig befragen? Wirken sich diese Kämpfe allein auf die Arbeitsbedingungen oder auch auf die Ergebnisse künstlerischer Arbeit und ihre öffentliche Wahrnehmung aus? Und wie kann es gelingen, sich nicht nur selbst zu bespiegeln, sondern diese Kämpfe stets auch als Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen zu denken? Diese Fragen diskutieren die Teilnehmenden gemeinsam mit Melmun Bajarchuu und Adele Dittrich Frydetzki von der Initiative für Solidarität am Theater und Marta Keil vom Performing Arts Institute anhand von eigenen Erfahrungsberichten, Konzepten und Ideen für alternative Organisationsformen.

Workshop 4:
DIE SZENE. Zwischen kritischem Korrektiv und effizienter Kulturinstitution

S. E. Struck / Philine Velhagen (Palais Temporär) und Julian Kamphausen (Performing Arts Programm)
Sprache: Deutsch

In den letzten Jahren ist die Freie Szene zu einem ernst zu nehmenden, international vernetzten kulturpolitischen Player geworden. Gleichzeitig agieren viele freie Theaterschaffende nach wie vor in improvisierten Strukturen – sei es aufgrund mangelnder Unterstützung durch die lokale bzw. regionale Kulturpolitik oder aufgrund einer bewussten eigenen Entscheidung. Welche Rolle will das Freie Theater zukünftig in Kulturpolitik und Gesellschaft einnehmen? Ist es nach wie vor kritisches Korrektiv und Experimentierfeld oder vielmehr Vorbild für die wendige und effiziente Kulturinstitution von morgen? Und ist professioneller und umfangreicher ausgestattet automatisch besser? S. E. Struck (SEE!) und Philine Velhagen (Drama Köln), die in Köln mit dem Palais Temporär ein künstlerisches Labor und mobiles Zentrum ohne institutionelle Anbindung geschaffen haben, laden gemeinsam mit Julian Kamphausen (Performing Arts Programm) zur Diskussion über Zukunftsmodelle für das Freie Theater.

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