Staging Complexity: Ein Labor zu Kunst und Theater im digitalen Zeitalter

Workshopprogramm am 19./20. September 2020 jeweils 10:30-18:00 ::: Cheers for Fears in Kooperation mit der Dortmunder Akademie für Theater & Digitalität

Seit März 2020 analysieren Cheers for Fears und die Akademie für Theater und Digitalität Dortmund die digitale und vernetzte Gegenwart aus der Perspektive der Künste.Digitale Technologien verändern seit längerem die Art und Weise, wie wir denken, arbeiten, lieben, kommunizieren und zusammenleben. Algorithmen regeln den Verkehrsfluss, soziale Netzwerke schaffen neue Beziehungsformen und Managementsysteme optimieren den Arbeitsablauf. Die Digitalität prägt damit auch künstlerische Inhalte, transformiert etablierte Darstellungsweisen und bringt neue Kunstformen hervor. Wie reflektieren und erforschen Theater und Kunst diese tiefgreifenden Veränderungen?

Nach einem Online-Symposium und einem Online-Workshop von Christiane Hütter schließen Workshops von Rahel Spöhrer und Anneliese Ostertag sowie Marina Miller Dessau und Arne Vogelgesang in der Akademie für Theater und Digitalität Dortmund das „Staging Complexity“-Programm ab. Zu den wegen COVID-19 in den September verschobenen Workshops ist nun eine offene Anmeldung möglich. Interessierte können sich für einen der parallel stattfindenden Workshops entscheiden. Die Teilnahme ist kostenlos und für Mittagessen wird gesorgt.

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Rahel Spöhrer, Anneliese Ostertag
Broken surfaces: From skin to screen

„Writing can be thought of as skin, in the sense that what we write causes ripples and flowsthat ‘skin us’ into being: we write, we skin.”
Sara Ahmed und Jackie Stacey

 Haut wird berührt, ist Grenze und Übergang, schützt und macht angreifbar – eine Oberfläche, die niemals glatt ist. In ihrer Semipermeabilität ist sie offen für Einwirkungen – Licht, Temperatur, Vibrationen, Substanzen – und wird in und durch diese Berührungen geschrieben. Ähnlich wie Haut, grenzt der Screen Welt ein und ab. Er berührt und wird angefasst, eine Oberfläche voller Spuren. Haut, die den Screen berührt und sich damit in Orte, Menschen und Diskurse einschreibt.

Wie lässt sich aber Haut schreiben? Wie eine Sprache finden, die vermag nah zu kommen ohne zu beanspruchen und zu vereinnahmen? Wie Momente des Übergangs schaffen, in denen Grenzlinien porös werden? Was sind Techniken des Produzierens von Haut, Berührung und Oberflächen on- und offline?

Im Seminar werden wir gemeinsam proben und spekulieren, wie sich ein „Rewriting the skin” oder „Re-skinning the writing“ in Texten, Bildern und Performances vollzieht. Anhand künstlerischer Arbeiten, körperlicher Übungen, Schreibpraktiken und Texten werden wir das Verhältnis von Nähe und Distanz, Verkörperung und Einschreibung, testen. Eigens angefertigte Texte, Kollagen und Bilder werden gemeinsam im Seminar in einem Zine zusammengeführt und aufeinander bezogen.

Rahel Gloria Spöhrer ist Dramaturgin und Performerin. Als Mitbegründerin und Teil der Performancegruppe THE AGENCY war sie zuletzt mit der Arbeit „Medusa Bionic Rise“ bei Tanz im August in Berlin, bei der Athens Biennale und dem Blue Skies Festival auf Pact Zollverein unterwegs. Die Arbeiten von THE AGENCY befragen, was der erweiterte und programmierte Körper auf der Theaterbühne sein kann.Im Vordergrund steht dabei die Frage nach möglichen Verbindungen von virtuellen und immersiv theatralen Techniken im Hinblick auf Produktion und Reflektion von Affekten, Emotionen und Intimität.

Anneliese Ostertag arbeitet als Dramaturgin, Kuratorin und Redakteurin. Ihre Recherche fokussiert sich auf archivarische Praktiken und die Schnittstelle von Kunst und Ethnografie. Sie ist Ko-Herausgeberin von en pleinair – Ethnographiesofthe Digital (Spector Books, 2019) und schreibt zu Kunst, Performance und Netzkunst.

Bitte mitbringen: Klamotten für Phsyical Excercices, Rechner & Mobiltelefone

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Marina Miller Dessau, Arne Vogelgesang
Verwertung und Wahrheit. Mediengestütztes Rekombinieren politischer Internetvideos

Wie kommt politisches Realtheater aus dem Netz zurück auf die Bühne? Im Workshop stellen wir die Methode des Live-Reenactments von Videodokumenten praktisch vor. In einem ersten Schritt nutzen wir sie zur performativen Analyse und Dekonstruktion der theatralen Mittel und Inszenierungstechniken von propagandistischen Vlogs, Botschaften und politischen Reden. Dabei produzieren wir durch Nachspielen ausgewählter Darstellungsebenen neues Material und unternehmen anschließend spielerische Versuche mit dem Neu-Zusammenfügen dieses Materials.

Begleitend zu dieser praktischen Arbeit besprechen wir miteinander, was Theater überhaupt mit recherchiertem Medienmaterial anstellen kann, an welche Grenzen es dabei stößt und was die Erzählpotenziale technischer Hilfsmittel und Methoden selbst sein könnten.

Marina Miller Dessau studierte Schauspiel am Mozarteum in Salzburg. Sie beobachtet stark oszillierendes Verhalten von Menschen im Netz, sucht nach körperlichen Übersetzungen fürs Theater und beschäftigt sich mit Hochtechnologie für den performativen Körper.

Arne Vogelgesang studierte Regie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, bastelt mit Internet- & Software-Material und hält Vorträge / gibt Workshops zu radikaler Propaganda.

Als Internil machen Arne und Marina gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegenrecherchebasiertes Performancetheater. Sie arbeiten dabei seit mehr als zwölf Jahren mit einer eigenen und sich fortentwickelnden Variante des Reenactings – dem körperlich und/oder sprachlich exakten Live-Kopieren von dokumentarischem Video- und Tonmaterial.

Bitte mitbringen: Rechner

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Die Workshops finden auf Deutsch statt.
Anmeldeschluss für die Teilnahme ist am 23. August 2020. Schreibt uns an contact@cheersforfears.de, an welchem der Workshops Ihr teilnehmen wollt.

Eine Veranstaltung von Cheers for Fears und dem Theater Dortmund. Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW sowie der Kunststiftung NRW.

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