Call for Participants: Re_Generation-Group

Von November 2022 bis Mai 2023 im Rahmen von Re_Generation. Training for Political Imaginaries im FFT Düsseldorf ::: bis 15. Oktober anmelden ::: go to english version

Anmelden bis zum 15. Oktober 2022 per Mail an regeneration@cheersforfears.de ::: PDF

In der Biologie folgt auf einen Verlust oder eine Beschädigung die Regeneration. Einem Oktopus kann ein neues Glied wachsen, wenn eines abgerissen wurde, der Boden kann sich regenerieren, nachdem er durch Monokulturen stark ausgelaugt wurde und die menschliche Haut regeneriert sich alle 27 Tage, um ihren Schutz und ihre Funktion aufrechtzuerhalten. Regeneration bedeutet, das volle Potenzial eines Systems wieder herzustellen. Es ist ein Prozess des Wandels, der das Bestehende ehrt.

In dem Projekt Re_Generation wollen das internationale Produktionshaus FFT Düsseldorf und die Performancekünstlerin Siegmar Zacharias in Kooperation mit der Initiative Cheers for Fears Zukunft praktizieren üben. Mithilfe künstlerischer Methoden reflektieren wir die Bedingungen, unter denen wir leben: Klimakrise, Kapitalismus, Kolonialismus, anders gesagt: Ausbeutung und Erschöpfung. Wie können wir Zukunft leben, wenn so vieles unmöglich erscheint? Wie kann Erholung aussehen, wenn Heilung keine Option ist? Wie können wir über Verluste und Ungerechtigkeiten trauern und gleichzeitig gemeinsam Kraft für einen solidarischen Wandel schöpfen? Re_Generation nutzt queere, dekoloniale und feministische Perspektiven, um zukünftiges Handeln zu entwerfen und gemeinsam einzuüben. Neben der Regeneration als Erneuerung und Erholung nehmen wir den Austausch verschiedener Generationen und das Teilen von Wissen in den Fokus.

Für Re_Generation suchen das FFT und Cheers for Fears nun Studierende und Kulturschaffende, die Interesse haben, das Projekt engagiert zu begleiten, die eigene künstlerische, kuratorische oder wissenschaftliche Praxis zu reflektieren und/oder sich in Zukunft mit den aufgeworfenen Fragen zu beschäftigen. Wie arbeiten wir miteinander? Wie beziehen wir uns auf unsere Umwelt? Wie produzieren wir derart, dass wir regenerative und transformierende Kräfte befördern? Das Projekt findet zweisprachig in deutscher und englischer Sprache statt.

Re_Generation besteht aus

  • einem Auftaktworkshop am 26. November 2022 (ca. 14 bis 20 Uhr)
  • einer Reading Group (s.u., einmal monatlich ab November 2022)
  • einer Vortragsreihe (monatlich von Januar bis April 2023)
  • einem Workshop- & Performanceprogramm der beteiligten Akteur*innen (Mai 2023)
  • einem Symposium (Mai 2023)
  • optional eigenen kleineren Workshops und Beiträgen im Rahmen des Symposiums (Mai 2023)

Beteiligte Akteur*innen

Siegmar Zacharias, Mithu Sanyal, Eroca Nicols, Neha Chriss, Steve Heather, to be continued…

Kosten

Fahrt- und Unterkunftskosten werden bei Bedarf übernommen. Darüber hinaus zahlen wir Tagegelder für die Workshops und das Symposium im Mai 2023. Zudem erhalten alle, die einen eigenen Beitrag oder Kurzworkshop einbringen, ein Honorar.

Literatur der Reading Group (Auswahl)

  • Bayo Akomolafe: These Wilds Beyond Our Fences
  • Alexis Pauline Gumbs: Undrowned. Black Feminist Lessons from Marine Mammals
  • Rupa Marya: Inflamed. Deep Medicine and the Anatomy of Injustice
  • Robin Wall Kimmerer: Braiding Sweetgrass. Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge, and the Teachings of Plants
  • Vanessa Machado de Oliveira: Hospicing Modernity. Facing Humanity’s Wrongs and the Implications for Social Activism

Hintergrund zu Re_Generation

Das mit der Künstlerin und Philosophin Siegmar Zacharias ko-kuratierte Projekt Re_Generation ist transdisziplinären, künstlerisch-aktivistischen Praktiken gewidmet. Das Programm nimmt seinen Ausgangspunkt bei den Folgen des kolonialen Erbes und einem ausbeuterischen Verhältnis zur Natur und anderen Species. Es zielt auf ein verantwortungsvolles, den Ausgleich suchendes In-der-Welt-Sein und dient als Training für politische Imagination. Im Zentrum stehen gemeinsames praktisches, körperorientiertes Lernen und geteilte Erfahrungen. Re_Generation begleitet die Spielzeit 2022/23 im FFT: Ab Januar 2023 führt eine Online-Vortragreihe in die Thematik ein. Im Mai 2023 laden wir zu einem neuntägigen Programmschwerpunkt mit einem international besetzten Symposium und immersiven Performances ein. Es werden vier Auftragsarbeiten von Neha Chriss, Eroca Nichols, Mithu Sanyal und Siegmar Zacharias entwickelt und zur Premiere gebracht.

Die Beteiligten sind auf unterschiedliche Weise mit Praktiken der radikalen Selbstfürsorge (self-care), der Antidiskriminierung und körperbasierten Praktiken der Konfliktbewältigung und Heilung befasst. So privat und intim diese Praktiken auf den ersten Blick erscheinen mögen, folgen sie einer explizit mikropolitischen Agenda. Indem sie den menschlichen Körper ins Zentrum rücken, stellen sie die radikale Ungleichverteilung von Sicherheit der Körper beziehungsweise das permanente Ausgesetztsein einiger Körper durch (sexualisierte, rassifizierte, ökonomische und ökologische) Gewalt und Aggression zur Verhandlung. Die Art und Weise, wie wir als Körper in der Welt sind, ist unmittelbar mit dem politischen und sozialen Feld verbunden. Wie kann Performance uns nicht nur aufmerksamer und sensibler machen für die Diversität körperlicher Erfahrung, sondern auch Angebote entwickeln, um andere Formen von Sozialität vorstellbar zu machen?

Beteiligte

Siegmar Zacharias (RO/D) ist transdisziplinäre Künstlerin, Philosophin, cultural somatics Aktivistin, death doula und lernt traditionelle Pflanzenmedizin. In ihren Arbeiten entwickelt sie Performances und Formate der künstlerischen Forschung, fragt wie Transformationsprozesse generativ und nicht normativ passieren können. Kollektives Zusammensein ist ihr Medium ökologischer, künstlerischer und politischer viszeraler Praxis. In ihren Performances kollaboriert sie mit unkontrollierbaren Materialien wie Rauch, Schleim oder dem Nervensystem.

Steve Heather (AUS/D) interessiert sich für die sich wiederholenden akustischen Gebiete des täglichen Lebens, die individuelle und gemeinschaftliche Schall-Agency informieren. Seine Forschung dreht sich um die Körperlichkeit von Schallgrenzen und darum, wie sie kompositorische Methoden, Materialien und Strukturen zusammen mit den körperlichen Lesungen der Hörer*innen informiert.

Eroca Nicols (Kanada) ist vor allem als Tänzerin/Choreografin/Pädagogin bekannt, ihre vielseitige Praxis stammt aus einer Familie von halbmystischen Wohnwagenbewohner*innen mit indigenen Wurzeln, jahrelanger Arbeit als Hausmeister*in und einem BFA in Video-/Performance-Kunst und Bildhauerei vom California College of the Arts. Ihr Unterricht und Training sind stark von ihrem kontinuierlichen Studium der Anatomie, Biomechanik und des brasilianischen Jiu Jitsu beeinflusst.

Mithu Sanyal (D) ist Schriftstellerin, Kulturwissenschaftlerin, Publizistin und Autorin. Aus ihrer Doktorarbeit entstand 2009 das Buch Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Die Analyse Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens wurde 2017 mit dem Sonderpreis im Rahmen des Programms Geisteswissenschaften International der Fritz Thyssen Stiftung ausgezeichnet. Sanyals Roman Identitti erreichte 2021 die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im selben Jahr wurde ihr der Ernst-Bloch-Preis zugesprochen und der Roman auch mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet

Neha Chriss (AUS) ist Programmiererin, Software-Entwicklerin, Aktivistin und multidisziplinäre Konzept- und Noise-Künstlerin. Ihre Forschungen in psychoakustischer und polyvagaler Theorie – dem Zusammenspiel von Klang, Bewusstsein und neuronalen Prozessen – finden sich in handgemachten Sound-Arbeiten und akustischen Begegnungs- Räumen wieder. In live programmierten, autonomen Schall-Welten erkundet das Publikum neuartiges Erregungs-Terrain und die Grenzen der Wahrnehmung.

Angefragt für Vorträge

Robin Wall Kimmerer, Alexis Pauline Gumbs, Bayo Akomolafe, Rupa Marya, Vanessa Machado de Oliveira

Angefragt für Symposium/Workshops

Red Vaughan Tremmel, Dani Demilia, Kathy-Ann Tan, Kamila Metwaly, joy mariama smith, SERAFINE1369, Maque Pereyra, Liza Witte, Moshtari Hilal, Elementum Foundation (Denise Ferreira da Silva, Valentina Desideri)

 

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